Das Stellplatzäquivalent

Projektbezeichnung: Das Stellplatzäquivalent
Firma/ Institution: inno2grid GmbH
Kategorie: Kategorie B
Jahr: 2016
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf

Über 90 % der täglich zurückgelegten Wege beginnen und enden am eigenen Wohnort. Die Wahl des Verkehrsmittels hängt maßgeblich davon ab, welche Verkehrsmittel einfach und schnell verfügbar sind. Somit entscheidet sich an der Haustüre, wie wir unterwegs sind.

Dies war Grund genug für uns kritisch zu hinterfragen, wo angesetzt werden muss, um urbane Mobilität und emissionsfreien Verkehr nachhaltig zu fördern. Das Ergebnis: Es fehlt an einem zukunftsfähigen und innovativen Planungsansatz, der bei Bauprojekten Mobilität nicht auf die zu bauendende Anzahl von Stellplätzen für PKW reduziert!

Derzeit wird gefragt: Wie viele Stellplätze sind bereitzuhalten, wenn wir vergangenes Verkehrsverhalten anschauen?

Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung musste man aber die Frage anders stellen, nämlich: Wie sieht die zu erwartende Verkehrsentwicklung aus, wenn ein alternatives, standortspezifisches Mobilitätsangebot zur Verfügung gestellt wird? Wohl wissend, dass sich das Mobilitätsverhalten in erster Linie über das lokale Angebot bestimmt und sich entsprechend auch lenken lässt, muss es also fortan heißen: Wie viele Stellplätze sind noch bereit zu halten, wenn wir zukünftig zu erwartendes (multimodales) Verkehrsverhalten betrachten und aktiv fördern?

Wie funktioniert das in der Planungspraxis? Unter Zuhilfenahme der von uns entwickelnden Stellplatzäquivalenzbetrachtung wird das Substitutionspotential von MIV-Wegen durch die Ertüchtigung, Optimierung und Bereitstellung von alternativen Verkehrsträgern (ÖPNV, Sharing-Angeboten, Rad- und Fußverkehr betrachtet. Durch eine analytische Betrachtung des Standorts, bietet das Konzepts des Stellplatzäquivalents konkrete Aussagen im Hinblick auf die Ausgestaltung eines standortspezifischen Mobilitätkonzeptes sowie eine Potentialabschätzung darüber, wie viele Stellplätze für PKWs im Projekt substituiert werden können.

Das Stellplatzäquivalent als Planungsinstrument, um Mobilität im Wohnungsbau neu zu denken und neu zu gestalten, bietet also mindestens drei Vorteile: Es unterstützt die Schaffung von günstigerem und qualitativ hochwertigerem Wohnraum, es fördert den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und es stärkt eine zukunftsfähige und umweltfreundliche Verkehrsentwicklung in den Kommunen.

Wie man durch das Stellplatzäquivalent nachhaltigen Wohnungsbau mit effizienten Mobilitätsdienstleistungen im frühen Planungsstadium verknüpft, zeigt das Neubauvorhaben der Deutsche Wohnen „Siedlung Westend“ in Berlin-Charlottenburg. Das Projekt verfolgt von Anfang an einen ganzheitlichen Planungsansatz, der ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsziele verfolgt. Neben dem Anspruch an hohe Bauqualität bei den Wohngebäuden, werden Themen der integrierten Energieversorgung, der innovativen Mobilitätsdienstleistungen sowie zukunftsfähige Lösungen bei der Verwendung von Regen- und Abwasser parallel mitgedacht.

Für die Planung des Stadtquartiers hat die Deutsche Wohnen von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ein Vorzertifikat mit der Höchstbewertung Platin erhalten. Damit ist die in Charlottenburg-Wilmersdorf geplante Siedlung eines der bundesweit ersten DGNB-vorzertifizierten Stadtquartiere mit Schwerpunkt Mietwohnungsbau.

Bei der Überlegung, wie eine alternative Mobilitätsversorgung der Siedlung Westend gewährleistet werden kann, ist man in den Vorplanungen den hier aufgezeigten, modifizierten Ansatz gegangen, bei dem konkrete Kennzahlen für drei Mobilitätsversorgungvarianten entwickelt wurden. Damit bekräftigt die Deutsche Wohnen ihre Ansprüche an eine hohe städtebauliche und ökologische Qualität. Anstatt nur Stellplätze zu planen, wird vielmehr ein standortspezifisches Mobilitätskonzept mit innovativen Mobilitätsdienstleistungen entwickelt, von dem die zukünftige Bewohner profitieren werden. Im weiteren Verfahren wird nun gemeinsam mit dem Bezirk ausgelotet, welche der drei Varianten weiterverfolgt wird.

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Ansprechpartner

Richard Kemmerzehl (Telefon: 030-238884265)

Bild: Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlicher Wandel
Mobilitätsstationen statt Stellplätze. <br> Mobilität muss im Wohnungsbau <br> umfassender gedacht werden. Bild: InnoZ